UX Research · Zürich
Ich untersuche, wie Menschen digitale Dienste tatsächlich benutzen, wenn viel davon abhängt. Vier Jahre Forschungspraxis an der Universität Zürich, ein Informatikstudium mit Schwerpunkt Mensch-Computer-Interaktion und Studien, die von der ersten Interviewfrage bis zur Empfehlung an die Geschäftsleitung reichen.
Methodenprofil
Generativ
Semi-strukturierte Interviews, Feldbeobachtung, Journey Mapping, Co-Creation-Workshops, Stakeholder-Analyse.
Evaluativ
Usability-Tests moderiert und unmoderiert, Prototyp-Evaluationen über mehrere Iterationen, vergleichende Testaufbauten.
Quantitativ
Umfragen, Vergleichsgruppen, Effektgrössen und Signifikanztests, Interpretation von A/B-Tests und Produktkennzahlen.
Analyse & Werkzeuge
Qualitative Codierung mit MAXQDA, Auswertung in Python, Zotero, Datenvisualisierung, Figma.
Fallstudie · Universität Zürich, Digital Society Initiative
Warum die digitale Krisenreaktion auf die ukrainische Fluchtbewegung im Kanton Zürich an ihre Grenzen kam, und welche Plattformstruktur das nächste Mal verhindern würde, dass Behörden, NGOs und Freiwillige aneinander vorbeiarbeiten.
Seit 2022 hat die Schweiz rund 130 000 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen, ein Grossteil davon in kurzer Zeit. Kantonale Ämter, Gemeinden, NGOs, Freiwillige und private Anbieter haben alle reagiert, jedes für sich und mit eigenen Werkzeugen. Verwaltungssysteme sind für geordnete Abläufe gebaut, nicht für die Koordination vieler ungleicher Akteure unter Zeitdruck.
Wo genau bricht die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Organisationen, und welche gemeinsame digitale Struktur würde diese Brüche schliessen, ohne den Föderalismus auszuhebeln?
An dieser Frage hing eine konkrete Entscheidung. Der Kanton musste wissen, ob er in einzelne Fachanwendungen investiert oder in eine gemeinsame Plattformschicht, auf der andere aufbauen können.
Wir haben früh begonnen, während die Lage noch akut war. Das war methodisch anspruchsvoll, aber notwendig, denn Erinnerungen an Notfallentscheidungen glätten sich schnell.
Die Auswahl der Gesprächspartner folgte der Kette, die eine geflüchtete Person tatsächlich durchläuft, nicht dem Organigramm der Verwaltung. Deshalb sitzen im Sample IT-Abteilung und Sozialamt neben Gastgebenden, Freiwilligen und den Geflüchteten selbst. Alle Interviews wurden anonymisiert, damit Beteiligte offen über Fehler sprechen konnten.
Total 55 Interviews, 59 Gesprächspartner, 43:57 Stunden Aufnahme
Ergänzend liefen eine Umfrage mit 600 Geflüchteten, eine Analyse der bereits eingesetzten digitalen Lösungen und eine Auswertung krisenbezogener Social-Media-Gruppen. Drei Datenquellen für dieselbe Frage, damit ein Befund nicht an einer einzigen Methode hängt.
Aus den codierten Interviews haben wir die Refugee Journey rekonstruiert, also die Abfolge aller Schritte von der Ankunft bis zur Wohnsitznahme, mit den jeweils zuständigen Akteuren. Diese Karte hat die Befunde sortiert und sichtbar gemacht, an welchen Übergängen zwischen zwei Organisationen die Probleme entstehen.
Die Befunde selbst haben wir in drei Kategorien geordnet, technisch, organisatorisch und kulturell. Diese Trennung war wichtig, weil sie zeigt, welche Probleme sich mit Software lösen lassen und welche nicht.
Daraus ist das Konzept der «Solution Trap» entstanden, also der Zustand, in dem viele parallel entstandene Einzellösungen sich gegenseitig blockieren und die Krisenreaktion langsamer machen, statt sie zu beschleunigen.
Die Fallstudie hat die Richtung des gesamten Projekts festgelegt. Statt weiterer Einzelanwendungen entstand ein Plattformkern mit einem gemeinsamen Zugangspunkt, um den herum andere Teams Anwendungen gebaut haben. Die identifizierten Engpässe wurden zu den Anforderungen für diesen Prototyp.
Die Ergebnisse sind an der Academy of Management 2025 erschienen, mit mir als Erstautorin, und in die Empfehlungen an den Kanton Zürich eingeflossen.
Um zu prüfen, ob das Plattformkonzept im Schweizer Kontext trägt, habe ich Ende 2025 einen Hackathon organisiert. Drei Praxispartner, die Asylorganisation Zürich, das UNHCR und SEET, haben reale Herausforderungen eingebracht. 27 Studierende in 9 Teams haben in 48 Stunden Prototypen dagegen entwickelt.
Der Test war nicht der Code, sondern die Frage, ob unabhängige Teams auf einer gemeinsamen Struktur aufbauen können, ohne sich abzustimmen. Die Teams haben in ihren Abschlussberichten beschrieben, wie ihre Lösungen ineinandergreifen würden.
Das Problemmuster ist nicht auf den öffentlichen Sektor beschränkt. Überall dort, wo gewachsene Systeme, viele interne Anspruchsgruppen und externe Partner auf dasselbe Nutzerbedürfnis treffen, entstehen dieselben Brüche zwischen den Zuständigkeiten. Was ich in dieser Studie gelernt habe, betrifft die Übergänge, nicht die Domäne.
Vor der Veröffentlichung zu ergänzen
Fallstudie · Universität Zürich, Digital Society Initiative
Eine Browser-Erweiterung, die Nachrichtenartikel mit einem Sprachmodell auf Propagandatechniken prüft. Die Forschungsfrage war nicht, ob das Modell richtig liegt, sondern ob Leserinnen und Leser dadurch kritischer lesen.
Automatisierte Erkennung von Propaganda ist technisch machbar. Offen war, was ein solcher Hinweis im Lesefluss bewirkt. Ein Warnsignal kann kritisches Lesen anstossen oder es ersetzen, wenn die Leserin dem Werkzeug einfach glaubt.
Verbessert die Erweiterung die Fähigkeit, manipulative Sprache im Text selbst zu erkennen, oder verschiebt sie das Urteil nur an das Werkzeug?
Zuerst qualitative Interviews, um zu verstehen, wie Menschen Nachrichten einordnen und woran sie Vertrauen festmachen. Darauf aufbauend kontrollierte Nutzertests mit Vergleichsgruppen und quantitativer Messung.
Die Ergebnisse sind in Designprinzipien für Werkzeuge geflossen, die kritisches Denken unterstützen sollen, statt es zu übernehmen. Publiziert an der CHI 2024.
Diese Fallstudie ist ein Gerüst
Ich habe sie aus deinem Lebenslauf und dem Publikationstitel gebaut. Damit sie im Interview trägt, brauche ich von dir:
Fallstudie · Co-Creation
Workshop-basierte Forschung mit den Menschen, um die es geht, statt über sie.
Workshop-Moderation und Co-Creation fehlen in den meisten Research-Portfolios. Sie zeigen, dass du nicht nur Daten erhebst, sondern einen Raum halten kannst, in dem Beteiligte selbst Lösungen entwerfen. Das ist eine generative Kompetenz, die sich schwer aus Papern ablesen lässt.
Hier fehlt mir alles
Publikationen
Mind the GaaP. Solution Traps in Crisis Response Applications
Listening to Refugee Voices by foregrounding their Ethical Dilemmas in Digital Platform
Think fast, think slow, think critical. Designing an automated propaganda detection tool