Zoya Katashinskaya

UX Research · Zürich

Zoya Katashinskaya

Ich untersuche, wie Menschen digitale Dienste tatsächlich benutzen, wenn viel davon abhängt. Vier Jahre Forschungspraxis an der Universität Zürich, ein Informatikstudium mit Schwerpunkt Mensch-Computer-Interaktion und Studien, die von der ersten Interviewfrage bis zur Empfehlung an die Geschäftsleitung reichen.

katashinskaya.zoya@gmail.com +41 78 967 67 97 linkedin.com/in/zoya-katashinskaya

Methodenprofil

Womit ich arbeite

Generativ

Semi-strukturierte Interviews, Feldbeobachtung, Journey Mapping, Co-Creation-Workshops, Stakeholder-Analyse.

Evaluativ

Usability-Tests moderiert und unmoderiert, Prototyp-Evaluationen über mehrere Iterationen, vergleichende Testaufbauten.

Quantitativ

Umfragen, Vergleichsgruppen, Effektgrössen und Signifikanztests, Interpretation von A/B-Tests und Produktkennzahlen.

Analyse & Werkzeuge

Qualitative Codierung mit MAXQDA, Auswertung in Python, Zotero, Datenvisualisierung, Figma.

Fallstudie · Universität Zürich, Digital Society Initiative

Government as a Platform

Warum die digitale Krisenreaktion auf die ukrainische Fluchtbewegung im Kanton Zürich an ihre Grenzen kam, und welche Plattformstruktur das nächste Mal verhindern würde, dass Behörden, NGOs und Freiwillige aneinander vorbeiarbeiten.

Meine Rolle
Co-Lead des Forschungsprojekts. Verantwortlich für die Fallstudie und den Hackathon, Erstautorin der Publikation.
Zeitraum
2023 bis 2026
Auftraggeber
DIZH, Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen
Methoden
Semi-strukturierte Interviews, Umfrage, Dokumenten- und Social-Media-Analyse, Journey Mapping, Hackathon als Testformat
Stichprobe
55 Interviews mit 59 Personen, rund 44 Stunden Material, ergänzt um eine Umfrage mit 600 Geflüchteten
Rahmen
Design Science Research und Action Design Research

Kontext

Seit 2022 hat die Schweiz rund 130 000 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen, ein Grossteil davon in kurzer Zeit. Kantonale Ämter, Gemeinden, NGOs, Freiwillige und private Anbieter haben alle reagiert, jedes für sich und mit eigenen Werkzeugen. Verwaltungssysteme sind für geordnete Abläufe gebaut, nicht für die Koordination vieler ungleicher Akteure unter Zeitdruck.

Fragestellung

Wo genau bricht die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Organisationen, und welche gemeinsame digitale Struktur würde diese Brüche schliessen, ohne den Föderalismus auszuhebeln?

An dieser Frage hing eine konkrete Entscheidung. Der Kanton musste wissen, ob er in einzelne Fachanwendungen investiert oder in eine gemeinsame Plattformschicht, auf der andere aufbauen können.

Methode und Studiendesign

Wir haben früh begonnen, während die Lage noch akut war. Das war methodisch anspruchsvoll, aber notwendig, denn Erinnerungen an Notfallentscheidungen glätten sich schnell.

Die Auswahl der Gesprächspartner folgte der Kette, die eine geflüchtete Person tatsächlich durchläuft, nicht dem Organigramm der Verwaltung. Deshalb sitzen im Sample IT-Abteilung und Sozialamt neben Gastgebenden, Freiwilligen und den Geflüchteten selbst. Alle Interviews wurden anonymisiert, damit Beteiligte offen über Fehler sprechen konnten.

Geflüchtete 20 Interviews · 20 Gesprächspartner 20
Öffentliche Verwaltung 14 Interviews · 17 Gesprächspartner 14
NGOs und Firmen 13 Interviews · 14 Gesprächspartner 13
Gastgebende 4 Interviews · 4 Gesprächspartner 4
Freiwillige 4 Interviews · 4 Gesprächspartner 4

Total 55 Interviews, 59 Gesprächspartner, 43:57 Stunden Aufnahme

Zusammensetzung der Stichprobe. Die Geflüchteten sind die grösste Gruppe, weil ihre Sicht in der Verwaltungsdokumentation am wenigsten vorkam.

Ergänzend liefen eine Umfrage mit 600 Geflüchteten, eine Analyse der bereits eingesetzten digitalen Lösungen und eine Auswertung krisenbezogener Social-Media-Gruppen. Drei Datenquellen für dieselbe Frage, damit ein Befund nicht an einer einzigen Methode hängt.

Analyse

Aus den codierten Interviews haben wir die Refugee Journey rekonstruiert, also die Abfolge aller Schritte von der Ankunft bis zur Wohnsitznahme, mit den jeweils zuständigen Akteuren. Diese Karte hat die Befunde sortiert und sichtbar gemacht, an welchen Übergängen zwischen zwei Organisationen die Probleme entstehen.

Die Befunde selbst haben wir in drei Kategorien geordnet, technisch, organisatorisch und kulturell. Diese Trennung war wichtig, weil sie zeigt, welche Probleme sich mit Software lösen lassen und welche nicht.

Erkenntnisse

  • Manuelle Prozesse skalieren nicht. Abläufe, die im Normalbetrieb funktionieren, brachen unter der Menge zusammen, weil sie auf Handarbeit beruhten.
  • Informationssilos. Der Austausch zwischen Kanton, Gemeinden und NGOs lief über E-Mail und Excel statt über verbundene Systeme, mit den erwartbaren Folgen für Datenqualität.
  • Geteilte Verantwortung ohne geteilte Sicht. Der Föderalismus erlaubt lokale Flexibilität, erzeugt aber unterbrochene Verbindungen. Geflüchtete und Gastgebende wussten oft nicht, wer für ihr Anliegen zuständig ist.

Daraus ist das Konzept der «Solution Trap» entstanden, also der Zustand, in dem viele parallel entstandene Einzellösungen sich gegenseitig blockieren und die Krisenreaktion langsamer machen, statt sie zu beschleunigen.

Wirkung

Die Fallstudie hat die Richtung des gesamten Projekts festgelegt. Statt weiterer Einzelanwendungen entstand ein Plattformkern mit einem gemeinsamen Zugangspunkt, um den herum andere Teams Anwendungen gebaut haben. Die identifizierten Engpässe wurden zu den Anforderungen für diesen Prototyp.

Die Ergebnisse sind an der Academy of Management 2025 erschienen, mit mir als Erstautorin, und in die Empfehlungen an den Kanton Zürich eingeflossen.

Hackathon als Testformat

Um zu prüfen, ob das Plattformkonzept im Schweizer Kontext trägt, habe ich Ende 2025 einen Hackathon organisiert. Drei Praxispartner, die Asylorganisation Zürich, das UNHCR und SEET, haben reale Herausforderungen eingebracht. 27 Studierende in 9 Teams haben in 48 Stunden Prototypen dagegen entwickelt.

Der Test war nicht der Code, sondern die Frage, ob unabhängige Teams auf einer gemeinsamen Struktur aufbauen können, ohne sich abzustimmen. Die Teams haben in ihren Abschlussberichten beschrieben, wie ihre Lösungen ineinandergreifen würden.

Übertragbarkeit

Das Problemmuster ist nicht auf den öffentlichen Sektor beschränkt. Überall dort, wo gewachsene Systeme, viele interne Anspruchsgruppen und externe Partner auf dasselbe Nutzerbedürfnis treffen, entstehen dieselben Brüche zwischen den Zuständigkeiten. Was ich in dieser Studie gelernt habe, betrifft die Übergänge, nicht die Domäne.

Vor der Veröffentlichung zu ergänzen

  • Deine genaue Rolle in der Fallstudie. Wie viele der 55 Interviews hast du selbst geführt, wer hat den Leitfaden geschrieben, wer hat codiert?
  • Ein bis zwei Bildbelege, etwa ein Ausschnitt der Journey Map oder ein anonymisierter Codierungsauszug.
  • Der schwierigste Punkt im Studiendesign und wie du ihn entschieden hast.

Fallstudie · Universität Zürich, Digital Society Initiative

Automatisierte Propaganda-Erkennung

Eine Browser-Erweiterung, die Nachrichtenartikel mit einem Sprachmodell auf Propagandatechniken prüft. Die Forschungsfrage war nicht, ob das Modell richtig liegt, sondern ob Leserinnen und Leser dadurch kritischer lesen.

Meine Rolle
Noch zu ergänzen
Zeitraum
Noch zu ergänzen
Methoden
Qualitative Interviews in der generativen Phase, kontrollierte Nutzertests mit quantitativen Messungen
Stichprobe
Noch zu ergänzen
Publikation
CHI 2024

Kontext

Automatisierte Erkennung von Propaganda ist technisch machbar. Offen war, was ein solcher Hinweis im Lesefluss bewirkt. Ein Warnsignal kann kritisches Lesen anstossen oder es ersetzen, wenn die Leserin dem Werkzeug einfach glaubt.

Fragestellung

Verbessert die Erweiterung die Fähigkeit, manipulative Sprache im Text selbst zu erkennen, oder verschiebt sie das Urteil nur an das Werkzeug?

Methode und Studiendesign

Zuerst qualitative Interviews, um zu verstehen, wie Menschen Nachrichten einordnen und woran sie Vertrauen festmachen. Darauf aufbauend kontrollierte Nutzertests mit Vergleichsgruppen und quantitativer Messung.

Erkenntnisse und Wirkung

Die Ergebnisse sind in Designprinzipien für Werkzeuge geflossen, die kritisches Denken unterstützen sollen, statt es zu übernehmen. Publiziert an der CHI 2024.

Diese Fallstudie ist ein Gerüst

Ich habe sie aus deinem Lebenslauf und dem Publikationstitel gebaut. Damit sie im Interview trägt, brauche ich von dir:

  • Das Paper als PDF, dann ziehe ich Studiendesign, Teilnehmerzahlen und Messgrössen selbst heraus.
  • Deine Rolle im Autorenteam und im Studienablauf.
  • Was nach den Tests am Produkt geändert wurde.

Fallstudie · Co-Creation

Common Ground

Workshop-basierte Forschung mit den Menschen, um die es geht, statt über sie.

Meine Rolle
Noch zu ergänzen
Zeitraum
Noch zu ergänzen
Methoden
Co-Creation-Workshops
Stichprobe
Noch zu ergänzen

Warum diese Fallstudie ins Portfolio gehört

Workshop-Moderation und Co-Creation fehlen in den meisten Research-Portfolios. Sie zeigen, dass du nicht nur Daten erhebst, sondern einen Raum halten kannst, in dem Beteiligte selbst Lösungen entwerfen. Das ist eine generative Kompetenz, die sich schwer aus Papern ablesen lässt.

Hier fehlt mir alles

  • Worum ging es im Projekt und wer war der Auftraggeber?
  • Wer war die Zielgruppe, wie viele Workshops mit wie vielen Teilnehmenden?
  • Welches Format hast du moderiert, und wie sah der Ablauf aus?
  • Was kam heraus, und was ist damit geschehen?
  • Gehört das Inklusions-Kartenspiel aus deinem Lebenslauf zu diesem Projekt?

Publikationen

Begutachtete Arbeiten

AOM 2025

Mind the GaaP. Solution Traps in Crisis Response Applications

Z. Katashinskaya, G. Miscione, L. Zavolokina · Academy of Management Proceedings

ICIS 2025

Listening to Refugee Voices by foregrounding their Ethical Dilemmas in Digital Platform

R. Tang, G. Miscione, Z. Katashinskaya, L. Zavolokina

CHI 2024

Think fast, think slow, think critical. Designing an automated propaganda detection tool

L. Zavolokina, K. Sprenkamp, D. G. Jones, G. Schwabe · Proceedings of the 2024 CHI Conference